Beschreibung
»Kindheit« gilt als ein besonderer Lebensabschnitt, der vom gesellschaftlich herrschenden Handlungsdruck befreit ist. Dieser Schutz- und Schonraum soll der allmählichen Vorbereitung auf ein sozial integriertes Leben dienen. Kindern ausreichend Zeit zu lassen, um zu einer Persönlichkeit zu reifen, geschieht in der Erwartung, dass sie in dieser Zeit die bürgerlichen Werte verinnerlichen, so dass die Gesellschaft ohne großen Aufwand an sozialer Kontrolle auskommt. Kindergärten, Schulen sowie alle anderen sozialen und pädagogischen Institutionen bieten in der Realität nur bedingt Freiräume. Vor allem die Schule soll ein Arbeiten lehren, das alles Spielerische hinter sich lässt.Kindheits- und Jugendforscher sind sich weitgehend einig, dass der Schutz- und Schonraum heutzutage bedroht ist. »Kindheit« verschwindet auf breiter Front, indem sich die Lebenswelt von Kindern immer mehr der Lebenswelt von Erwachsenen angleicht. Damit einher geht ein enormer Anstieg der gesundheitlichen, körperlichen und psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen. Von zunehmenden Allergien bis zu zunehmenden Angststörungen und Depressionen reicht die alarmierende Bestandsaufnahme heutiger »Kinderkrankheiten«. Die gesellschaftlichen Anpassungsleistungen überfordern die heutigen Kindern und Jugendlichen. Sie reagieren darauf gesteigerter Gewaltbereitschaft oder selbstdestruktivem Drogenkonsum. Experten bemühen sich, die Risikofaktoren der modernen Lebensbedingungen zu verringern kurativ, besser noch aber präventiv. So geraten Kinder und Jugendliche heute mehr den jemals zuvor in den Einflussbereich professionellen Handelns: von Erziehern, Lehrern, Sozialarbeitern, Therapeuten. Die Beiträge dieses Buches lassen sich als multiprofessionelle Momentaufnahmen aus einer Erwachsenenwelt und deren Institutionen lesen, die, soll Kinderfreundlichkeit mehr als ein Lippenbekenntnis sein, immer auch ihre eigenen Selbstverständlichkeiten in Frage stellen muss.
Über Rolf Haubl, Frank Dammasch, Heinz Krebs
Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl ist Gruppenlehranalytiker, Gruppenanalytischer Supervisor und Organisationsberater. Er lehrte lange Jahre Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Universität Frankfurt/Main und war Direktor des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt/Main.Dr. phil. Frank Dammasch, Dipl.-Soz., Pädagoge, ist analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in eigener Praxis und Professor für psychosoziale Störungen in Kindheit und Jugend an der Fachhochschule Frankfurt/Main.Dr. phil. Heinz Krebs, Dipl.-Päd., Supervisor (DGSV), Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, ist Mitarbeiter einer Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche und in eigener Praxis tätig in Frankfurt/Main.
Schlagzeile
Die Kindheit gilt als eine weitgehend geschützte Zeit zur Vorbereitung auf ein sozial integriertes Leben. Doch dieser Schonraum ist heutzutage bedroht, die Lebenswelt von Kindern gleicht sich immer mehr der von Erwachsenen an. Die gesellschaftlichen Anpassungsleistungen überfordern Kinder und Jugendliche. Damit einher geht ein enormer Anstieg der gesundheitlichen und psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen. Oft reagieren sie darauf mit gesteigerter Gewaltbereitschaft oder selbstdestruktivem Drogenkonsum. Experten bemühen sich, die Risikofaktoren der modernen Lebensbedingungen zu verringern ¿ kurativ, besser noch aber präventiv.
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